Heinz Knobloch - Forum  

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Herzlich willkommen auf den Seiten für Heinz Knobloch !

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Sie sind dem Schriftsteller gewidmet, dessen Hauptwerk aus mehr als 1600 Feuilletons besteht, die er in über 40 Jahren zunächst für Zeitschriften verfasst hat. Durch seine Rubrik "Mit beiden Augen" - 20 Jahre lang in der Wochenpost -  hat er dem Feuilleton zu neuer Blüte verholfen und es dabei  meisterlich verstanden, unter den damaligen Bedingungen in der DDR "zwischen den Zeilen" zu schreiben. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er vor allem  durch sein Buch über Moses Mendelssohn bekannt geworden, mit dem er - ebenfalls in feuilletonistischer Darstelllung - diese wichtige jüdische Berliner Persönlichkeit der Aufklärung in Erinnerung gerufen hat. Seine kurzweiligen, stets genau recherchierten Darstellungen zu Einzelpersonen, zur Stadt-, Orts- oder zur politischen Geschichte bieten nicht nur Stadtführern und Freunden des Selberentdeckens wertvolle Anreize für ihre Spaziergänge oder Reisen. Seine Reflektionen des Alltagslebens sind gut zu lesen, meist humorvoll und regen gleichzeitig zum Nachdenken an.

Als zweites bietet dieses Forum die Möglichkeit Informationen und Erinnerungen zu Heinz Knobloch, seinem Werk und seiner Wirkung auszutauschen, um so das Wissen
über ihn und seine Feuilletons wachzuhalten und zu eigenen Entdeckungen in seinem Sinne anzuregen. Schreiben Sie an den
Webmaster dieses Forums.

Heinz Knobloch
geb.     3.3.1926
gest.  24.7.2003

Das Ziel dieser Seiten ist, das umfangreiche Werk des Berliner Schriftstellers Heinz Knobloch weiter bekannt zu machen und seine Lektüre zu fördern. Dazu entsteht hier eine Werksammlung, in der zunächst die von ihm, mit ihm oder über ihn herausgegebenen Bücher zusammengestellt sind. Das Werkverzeichnis finden sie hier.

 

In Verbindung mit dem Freundeskreis von Heinz Knobloch in Berlin wird hier gern auf Veranstaltungen und Ereignisse hingewiesen, die mit seiner Person und seinem Werk verbunden sind. Für ergänzende Hinweise und Mitteilungen sind wir dankbar.

Ein gutes Beispiel für seine Feuilletonkunst stellt das folgende Feuilleton dar, das zuerst unter dem Titel "Im Zusammengewächshaus" 1992 in der Weltbühne erschien, zeigt, dass es immer noch aktuelle Anknüpfungspunkte gibt.

Gemeinsames Idyll

von Heinz Knobloch

Wie oft muss unsereins als Großstädter auf dem Weg in den Garten an einem Schild vorbei, das da lautet: »Täglich frische Landeier«? Schließlich zwingt es zum Anhalten. Ein Bretterzaun vor einem Stück Feld mit Wald. Das Tor weit geöffnet. In Sicht landwirtschaftliche Gebäude, größere Schuppen; eine Werkstatt dabei. Aber kein Mensch.

Langsam nähern. Stehenbleiben vorm nächsten Eingang. Der weit offen steht. Aber da erscheint in behutsamem Trab, der auf innerer Stärke beruht, ein stummer, dennoch deutscher Schäferhund. Beschnüffelt des Wehrlosen Schuh, Hose und den Behälter für ein Dutzend Eier. Man trägt ja so etwas immer bei sich.

»Guten Tag, Hund«, sage ich. Bewährte Anrede. »Ich will bloß Eier kaufen«, und zeige ihm die innere Harmlosigkeit des eiweißen Behältnisses. Weiß ich, bei wem er vormals beschäftigt war? Er macht kehrt und bellt laut. Behutsamen Schrittes folgt ihm der Großstädter. Es erscheint ein junger Mann. Schwarzer Hut mit breiter Krempe. Seine Nickelbrille macht ihn zum milden Gitarristen einer leisen Band. Falls es so eine gibt.

Nun gehen wir drei in einen kleinen Schuppen, wo eine ungeheure Menge ungezählter Eier liegt. Preiswert sind sie. Und innen - wie sich später herausstellt - richtig dottergelb. Das kann nur an der befreiten Erde liegen und an den unabhängigen Hühnern, die seit neulich, in Freiheit aufgewachsen, sich ihr Futter selber wählen dürfen im Schatten dieser nicht einmal überprüften Lindenbäume im Berliner Norden ...

Daher erscheine ich dort immer öfter. Wagte neulich, als Kunde, die Frage: »Kann man bei Ihnen auch ein richtiges Suppenhuhn kaufen?« »Suppenhuhn« ist nämlich nicht bloß ein Schimpfwort, sondern etwas für Reis und ergibt gute Brühe. Aber man bekommt es nirgends in ursprünglich ländlicher Qualität. So super ist kein tiefgefrorener, kalter Markt. Er antwortete: » Gern, wenn Sie es selber totmachen. « Aber ich kann doch kein Huhn totmachen! Er: » Wir können es auch nicht! «

Und das tröstet ein wenig bei wachsender Gewalt in diesem neuen Deutschland.

Quelle: Heinz Knobloch: Die schönen Umwege, :transit-verlag Berlin 1993, S. 138    Hinweis:   ine erste Version dieses Feuilletons erschien unter dem Titel „Im Zusammengewächshaus“ in: Die Weltbühne Nr. 40/1992, S. 1239

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