Kurzeinführung in das Werk von Heinz Knobloch
Das Hauptwerk Heinz Knoblochs sind Feuilletons, die er zunächst in Zeitungen
und Zeitschriften erschienen. Ein großer Teil davon ist von ihm selbst oder von anderen nachher
in Auswahlbänden
veröffentlicht worden. Da seine Feuilletons häufig an alltägliche Beobachtungen
und Erlebnisse anknüpfen, ist der Arbeitsort Berlin ein Schwerpunkt seiner
thematischen Sammelbände (z.B. Berliner Fenster, Berliner Feuilleton, Stadtmitte umsteigen, Berliner
Grabsteine, Im Lustgarten). Seine intensive Spurensuche zum Schicksal von Einzelpersonen hat
er auch zu Buchveröffentlichungen verarbeitet. Er hat zur (Wieder-) Entdeckung von
Berliner Persönlichkeiten (z.B. "Herr Moses in Berlin"= Moses Mendelssohn, "Meine liebste Mathilde"=
Mathilde Jacob, "Die Suppenlina"= Lina Morgenstern)
und zu historischen Aufklärungen beigetragen ("Der beherzte Reviervorsteher"
=Verhinderter Brand der Synagoge
in der Oranienburger Straße, "Der arme Epstein" =Hintergründe des Todes von Horst Wessel).
Einen besonderen Reiz bietet sein Werk dadurch, dass
es ihm unter DDR-Bedingungen gelungen ist, seine kritische und oft grenzüberschreitende
Sicht der Dinge in Büchern und vor allem in seinem wöchentlichen
Feuilleton "Mit beiden Augen" auf der Seite 22 in der "Wochenpost" über
viele Jahre kontinuierlich an ein breites Publikum weiter zu geben.
In den 90er Jahren hat Heinz Knobloch weitere Feuilletonbänden ("Die schönen Umwege", "Mißtraut den Grünanlagen", "Gartenlust und Gartenliebe", "Berlins alte Mitte") und zunehmend autobiografische Bücher ("Nase im Wind", "Eierschecke", "Mit beiden Augen", "Eine Berliner Kindheit") herausgegeben. Im Jahr 2002 erschien "Das Lächeln der Wochenpost", in dem er seinen journalistischen Werdegang in der Redaktion dieser Wochenzeitung bis zum Jahr 1968 nachzeichnete, was gleichzeitig das letzte von ihm selbst herausgegebene Buch wurde.
Im gleichen Jahr (2002) nahm - reichlich spät - auch der bundesrepublikanische Hochschuljournalismus durch einein Artikel in Heft 1 der Zeitschrift "Publizistik"offiziell von Heinz Knobloch Kenntnis. Die gleichen Autoren haben zusätzlich einem kommentierenden Sammelband mit Feuilletons Heinz Knoblochs herausgegeben (Reus/ Reifarth (Hrsg.) Heinz Knobloch: "Lässt sich das drucken?").
Von den Büchern Heinz Knoblochs sind meist
nur wenige aktuelle Auflagen im guten Buchhandel zu finden. Nach seinem Tod
erscheinen im Jaron Verlag einige Neuauflagen. Seine älteren Werke, vor allem die Feuilletonsammlungen,
sind in Bibliotheken und Antiquariaten zu finden. In Berlin bietet die Dorotheenstädtische
Buchhandlung gegenüber dem Kriminalgericht Berlin-Moabit in der Turmstr.
5 die größte Auswahl alter und neuer Werke Heinz Knoblochs an. Der Inhaber Klaus-Peter
Rimpel berät Sie dabei gern.
Aber auch wer keine Buchhandlung oder Bibliothek
in der Nähe hat, kann heute über das Internet, z.B. über das Zentrale Verzeichnis
antiquarischer Bücher (www.zvab.com oder www.abebooks.de
) fast
jedes gebrauchte Buch zu oft recht günstigen Preisen erwerben. Trauen Sie
sich ruhig, auf diesem Wege einen der alten Schmöker zu erwerben und gehen Sie
mit Heinz Knobloch auf die (Gedanken-) Reise! ![]()
Was ist ein Feuilleton?
Da das Feuilleton als literarische Gattung nicht mehr so bekannt ist, stehen
hier zur Einführung zwei -ältere- Definitionen, die allerdings nicht
literaturwissenschaftlich zu verstehen sind.
"Wer ein Feuilleton liefern möchte, soll etwas aufschreiben,
das er gesehen hat, gleichgültig ob vor dem äußeren oder dem
inneren Auge. Und was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Alltag. Und ein
bißchen mehr als das Erlebnis oder das Beobachtete, ein Fazit muß
dabei sein, ein Umschwung, ein Besinnen, ein Fund, eine Rückkehr von allen
Ausflügen." (Heinz Knobloch: Unterm Strich, 1974)
"Ein Feuilletonist ist ein Mann, der sich mit vielen
Sachen - nicht nur mit einer - beschäftigt, der kurz schreibt oder spricht
und der ein verständliches Deutsch schreibt oder spricht. ... Eine ernste
Sache unterhaltend und in guten Formen darzustellen, das ist es, was man Feuilletonismus
nennt." (Victor Auburtin)
Beispiel eines Feuilletons von Heinz Knobloch:
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Das Kernhaus Für Daniel Aus dem Kindergarten kommt der kleine Mensch und beschwert sich. Jeden Tag gibt es dort einen Apfel. Wie schön! (Wie gesund und vitaminreich die Kinder ernährt werden. Wenn wir früher täglich ...) - Immer muß der Apfel aufgegessen werden. Natürlich muß der Apfel aufgegessen werden, was denn sonst? Sei doch froh, daß du ... - Aber alles muß mitgegessen werden, die Kerne auch. Die Kerne auch? Und das harte Zeug vom Gehäuse? - Wir müssen immer alles mitessen. Soso. (Warum bloß? Zu Hause gibt es Äpfel ohne Eßvorschrift. Vom Gehäuse kann jeder übriglassen, was er mag.) Kleine Anfrage bei nächster Gelegenheit: Warum müssen die Kinder denn die Kerne mitessen? - Weil das gesund ist. Weil da die Vitamine drin stecken! Aber die Vitamine sind doch unter der Schale ... - Nein, in den Kernen sitzt das meiste Vitamin! (Vitamin reimt sich auf Disziplin.) Wer überzeugt wen mit
dem Kernhaus, auch Griebs genannt? Biologe
hätte man werden sollen oder Ernährungswissenschaftler ..., das heißt,
könnte man nicht ein Gutachten einholen vom Institut für
Ernährungswissenschaft? Wenn dort dann
steht, daß die Apfelkerne überhaupt keine Vitamine enthalten ... Doch was, wenn
sie schreiben, daß gerade die Kerne das Darmwichtigste seien vom ganzen
Apfel, was dann, wenn man sie dennoch nicht
herunterschlucken mag? Aus dem Kindergarten kommt der kleine Mensch und geht zuerst zum steinernen Papierkorb, denn wir sind eine ordentliche Stadt, holt ein abgenagtes Kernhaus aus der Hosentasche und wirft es hinein. Glänzende Idee. Und von ganz allein daraufgekommen. Ja, in die Tasche müssen wir sie stecken. ( aus WOCHENPOST 38/1971) |